Planen für die Ewigkeit

Es war nur ein Turnier für Hobby-Kicker, der Kneipencup. Das sagt eigentlich schon alles. Ein Haufen schmerbäuchiger Möchtegern-Weltmeister hechelt über einen Aschenplatz, dass der Zuschauer ernsthaft um die Gesundheit der Aktiven fürchtet. Aber Karl erzählt immer wieder davon. Als er mal mit seinen Thekenkumpels das Finale gewann. Das vorentscheidende 2:0 habe er damals geschossen. "Ja, mit links war das", fällt ihm Sabine ins Wort. "Das hast du schon hundert Mal erzählt.“ Karl tut so, als habe er den gelangweilten Tonfall überhört: "Eigentlich hätte Marcel die Bude machen müssen, aber er hat den Ball nicht richtig getroffen", erzählt er unbeirrt weiter. "Ja, und dann hast du einfach drauf gehalten", ergänzt Sabine wieder mit leiernder Stimme. "Davon erzählst du bestimmt noch deinen Enkeln." Für Karl gar keine Frage. Ganz bestimmt werde er das tun, versichert er. "Wie wäre es, wenn du dir das auf den Grabstein meißeln lässt?", versucht sich Sabine in Ironie. Karl bleibt kühl, so wie vor dem gegnerischen Tor in entscheidenden Momenten wie jenem im Finale des Kneipencups. "Super Idee!" Und seine Augen glänzen. Dann müsste man natürlich auch von den anderen Toren im Finale erzählen und davon, dass es bei dem Turnier auch fast mal eine Massenschlägerei gegeben habe und dass einmal ein Torwart regelrecht KO gegangen sei … "Ach komm hör auf, das passt doch niemals auf einen Grabstein", wirft Sabine ein. Aber Karl ist nicht mehr aufzuhalten: "Vielleicht könnte man eine Audio-Datei in eine Cloud laden und den Link in einen QR-Code auf den Stein meißeln..." Sabine gibt sich geschlagen: "Im Ernst, Karl?" Karl denkt schon an seinen Grabstein und zwinkert vergnügt. Was für eine Frage... Ein Beitrag von Heribert Rösgen

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