Planen für die Ewigkeit

Es war nur ein Turnier für Hobby-Kicker, der Kneipencup. Das sagt eigentlich schon alles. Ein Haufen schmerbäuchiger Möchtegern-Weltmeister hechelt über einen Aschenplatz, dass der Zuschauer ernsthaft um die Gesundheit der Aktiven fürchtet. Aber Karl erzählt immer wieder davon. Als er mal mit seinen Thekenkumpels das Finale gewann. Das vorentscheidende 2:0 habe er damals geschossen. „Ja, mit links war das“, fällt ihm Sabine ins Wort. „Das hast du schon hundert Mal erzählt.“ Karl tut so, als habe er den gelangweilten Tonfall überhört: „Eigentlich hätte Marcel die Bude machen müssen, aber er hat den Ball nicht richtig getroffen“, erzählt er unbeirrt weiter. „Ja, und dann hast du einfach drauf gehalten“, ergänzt Sabine wieder mit leiernder Stimme. „Davon erzählst du bestimmt noch deinen Enkeln.“

Für Karl gar keine Frage. Ganz bestimmt werde er das tun, versichert er. „Wie wäre es, wenn du dir das auf den Grabstein meißeln lässt?“, versucht sich Sabine in Ironie. Karl bleibt kühl, so wie vor dem gegnerischen Tor in entscheidenden Momenten wie jenem im Finale des Kneipencups. „Super Idee!“ Und seine Augen glänzen. Dann müsste man natürlich auch von den anderen Toren im Finale erzählen und davon, dass es bei dem Turnier auch fast mal eine Massenschlägerei gegeben habe und dass einmal ein Torwart regelrecht KO gegangen sei …

„Ach komm hör auf, das passt doch niemals auf einen Grabstein“, wirft Sabine ein. Aber Karl ist nicht mehr aufzuhalten: „Vielleicht könnte man eine Audio-Datei in eine Cloud laden und den Link in einen QR-Code auf den Stein meißeln…“ Sabine gibt sich geschlagen: „Im Ernst, Karl?“ Karl denkt schon an seinen Grabstein und zwinkert vergnügt. Was für eine Frage…

Ein Beitrag von Heribert Rösgen

Wir lesen und lesen …

Nein, es sind nicht nur die unzähligen Internet-Seiten und Facebook-Einträge, die wir sammeln. Zusätzlich haben wir eine Bibliothek angelegt. Bei der wir uns natürlich jederzeit über Ergänzungen freuen.

Bibliografie – Stand 1. September 2014

Augustin, Eduard von Keisenberg, Philipp; Zaschke, Christian: Fußball unser. Was man nicht alles wissen muss. Goldmann Verlag. München 2010.

Bauer, Snejanka Dr. (Hrsg): Helden, Heilige, Himmelsstürmer. Fußball und Religion. Legat. Frankfurt 2006.

Beckfeld, Hermann und Boschmann, Werner (Hrsg.): … der Boss spielt im Himmel weiter. Fußball-Geschichten aus dem Ruhrgebiet. Verlag Henselowsky Boschmann. Bottrop 2006.

Benkel, Thorsten und Meitzler, Matthias: Sinnbilder und Abschiedsgesten. Soziale Elemente der Bestattungskultur. Verlag Dr. Kovac. Hamburg 2013.

Benkel, Thorsten und Meitzler, Matthias: Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe. Ungewöhnliche Grabsteine – Eine Reise über die Friedhöfe von heute. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2014.

Berndorff, Lothar und Friedrich, Tobias: 1000 Gründe Fußball zu lieben. Legenden, Emotionen, unvergessene Momente. Moewig Verlag. Hamburg 2008.

Biermann, Christoph: Wenn du am Spieltag beerdigt wirst, kann ich leider nicht kommen. Die Welt der Fußballfans. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2005. (Erstauflage 1995)

Carndorff, Peter und Böttger, Conny: Der letzte Pass. Fußballzauber in Friedhofswelten – Zuschauer erwünscht. Verlag Die Werkstatt GmbH. Göttingen 2005.

Goosen, Frank: Weil Samstag ist. Fußballgeschichten. Wilhelm Heyne Verlag. München 2011.

Herzog, Markwart: Memorialkultur im Fußballsport. Medien, Ritual und Praktiken des Erinnerns, Gedenken und Vergessens. Irseer Dialoge. Kultur und Wissenschaft Interdisziplinar, Band 17. Kohlhammer Verlag. Stuttgart 2012.

Hornby, Nick: Fever Pitch. Penguin Books. London 2000. (First published 1992)

Merkt, Andreas (Hrsg.): Fußballgott. Elf Einwürfe. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2006.

Möller, Christian, und Ulrichs, Hans-Georg (Hg.): Fußball und Kirche – wunderliche Wechselwirkungen. Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen 1997.

Neitzert, Lutz: Die frühen Jahre des Fußballs. Ein Spiel entsteht. Verlag Peter Kehrein. Neuwied 2004.

Redelings, Ben: Dem Fußball sein Zuhause. Verlag Die Werkstatt GmbH. Göttingen 2010.

Sharpe, Graham: The Final Whistle. Midfield farewells, sudden deaths and other strange but true passings from footfall’s history. Robson Books. London 2001.

Sprang, Christian und Nöllke, Matthias: Aus die Maus. Ungewöhnliche Todesanzeigen. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2009.

Sprang, Christian und Nöllke, Matthias: Wir sind unfassbar. Neue ungewöhnliche Todesanzeigen. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2010.

Sprang, Christian und Nöllke, Matthias: Ich mach mich vom Acker. Allerneueste ungewöhnliche Todesanzeigen. Kiepenheuter & Witsch. Köln 2013.

Theweleit, Klaus: Tor zur Welt. Fußball als Realitätsmodell. Kiepenheuer & Witsch. Köln 2004.

Wangen, Edgar: Die Gräber der Götter. Fußballhelden und ihre letzte Ruhestätte. Verlag die Werkstatt. Göttingen 2009.

Fan gesichtet

NeuwiedArbeitet man an einem so schönen Thema wie dem „Abpfiff“, trifft man allerorts auf weitere Anregungen. Dieses fußballbegeisterte Skelett zum Beispiel war in einem kleinen Theater in Neuwied ausgestellt.

Beim Rheinland-Pfalz-Tag gingen viele Besucher achtlos an ihm vorüber. Unsereins war hingegen sehr froh, dass ein Smartphone so viel Funktionen hat – einschließlich der kleinen Kamera.

Nun gut, durch die Glasscheibe ließ sich kein besseres Foto machen. Aber als Erinnerung und Ideengeber für die Ausstellung reicht der Schnappschuss aus.

 

Auferstehung in München

von Heribert Rösgen

„Fortunas Grabstein war doch schon gemeißelt“, sagte einer kurz nach 16 Uhr an jenem denkwürdigen 1. Juni, einem Sonntag in München-Giesing, im Stadion an der Grünwalder Straße. 2:1 hatte Fortuna Köln das Rückspiel in der Relegation um den Aufstieg in die dritte Fußballbundesliga verloren. Das eine Tor, das die Kölner in der allerletzten Sekunde des Spiels erzielen konnten, pulverisierte den Grabstein gewissermaßen.

Ohnehin war er nur ein Gedankengebilde, ein weiterer Beleg für die stete Nähe zu Tod und Trauer, die der Fußballfan verspürt. Wäre das Tor nicht erzielt worden, hätten die Zeichen in der Tat auf möglichen Abgang gestanden. Ob die Kölner Fortuna wirklich zu Grabe getragen worden wäre, ist Ansichtssache. Einen schwarzen Sarg trugen einige Fans schon einmal im Jahr 2000 durch die Straßen des Kölner Stadtteils Zollstock, wo der Verein seine Wurzeln hat. Damals musste die Fortuna Abschied nehmen aus der Zweiten Bundesliga – nach immerhin 26 Jahren Zugehörigkeit.

Fraglos keine Ewigkeit und auch der vermeintliche Tod des Klubs war damals keineswegs ultimativ.

Die unfassbar emotionalen Szenen von München-Giesing, mit denen Aufstieg und Auferstehung zugleich gefeiert wurden, waren sicher dem magischen Moment geschuldet, in dem der Ball doch noch die Münchner Torlinie überquerte. Nichts einzigartiges indes. Tore, die in letzter Sekunde ein Spiel, eine Meisterschaft oder ein Finale entschieden, sind eigentlich das, was das Wesen des Spiels ausmacht.

Gleichwohl ist in solchen Augenblicken schnell das Wort „Wunder“ ausgesprochen. Und das verbinden eben viele rasch mit dem Tod, der durch das „Wunder“ abgewendet werden konnte. Womit wir also wieder in Giesing wären. Keine Beerdigung, kein Trauerzug, sondern Weihnachten, Ostern und Pfingsten an einem Tag. Übrigens nicht nur in München und Köln wurde gejubelt, auch in Krefeld, wo durch den Aufstieg der Fortuna nämlich der Abstieg des KFC Uerdingen verhindert werden konnte. Auch dort hatten nicht wenige für diesen Fall schon den endgültigen Abgang des Klubs prophezeit.

Vor solchen Hintergründen ist das eigentliche Wunder, dass Spieler überhaupt noch in der Lage sind treffsicher den Ball ins Tor zu bugsieren.

Unser Konzept in kurzer Form

Hinter den Kulissen arbeiten wir eifrig weiter am Buch- und Ausstellungskonzept. Nun geben wir Euch einen kleinen Einblick in den aktuellen Stand des Projektes. Mit dem wir derzeit bei der Recherche nach schönen Ausstellungsplätzen sind. Orte, die Fußball-Fans ebenso gerne besuchen wie die Anhänger der Friedhofskultur.
Abpfiff - Kurzkonzept

Noch einmal Bert Trautmann

Morgen wird in GB wieder an Bert Trautmann erinnert: Seine beiden ehemaligen Clubs, St. Helens Town und Manchester City, treten gegeneinander an. Der Erlös des Spieles kommt der 2004 gegründeten Trautmann-Stiftung zugute. Die hat es sich zur Aufgabe gemacht, die britisch-deutsche Verständigung mittels Fußball zu fördern.
So schön kann Erinnerungskultur sein!

Und so trauerte man kurz nach seinem Tod um ihn:

Image

Fakten, Fakten, Fakten

Fußball unser
Das Buch „Fußball unser“, von der Wiener Zeitung auch „die kleine Bibel für Fußballfans“ genannt, sammelt auf über 200 Seiten jede Menge Fakten rund um die Ball. Für uns besonders interessant: Auf Seite 156 und 157 werden 21 tote Fußballer unter 30 Jahren aufgelistet, die auf dem Spielfeld (oder kurz danach) starben. In mehr als 80 Prozent der Fälle war ein Herzinfarkt die Ursache.

 

Hornby als Pflichtlektüre

Mittlerweile ist das bestellte Buch bei uns angekommen. Die Mutter aller Fanbücher. Der autobiografische Roman von Nick Hornby erschien 1992, wurde in unzählige Sprachen übersetzt und 2 x verfilmt. Er beschäftigt sich zwar weniger mit dem Thema Tod, eher mit der lebenslange Treue zu einem Verein. Und die geht ja bekanntlich meist über den Tod hinaus!

Hier noch ein paar Titelgestaltungen:

 

 

 

 

 

 

Manolo: Trommeln in Mönchengladbach

Vor 5 Jahren und 6 Monaten, am 30. April 2008, verstarb der „Trommler vom Bökelberg“. Von 1977 bis 2002 feuerte er regelmäßig von der Nordkurve aus seine Mannschaft an. Er hatte einen festen Platz auf dem Zaun, zuletzt einen eigens seinetwegen installierten „Hochsitz“. Er galt als Inbegriff eines Fußballfans und bleibt unvergessen.

Foto: Manolo - unvergessen!</p><br /><br /><br />
<p>_________________<br /><br /><br /><br />
Foto: 11Freunde